Bald ist es wieder so weit: Die Kormorane am Bodensee beginnen Ende März/Anfang April mit ihrem Brutgeschäft. Wie erfolgreich sie damit sein werden, hängt in diesem Jahr auch davon ab, wie sich der Einsatz einer umgebauten Drohne auswirkt. Die ist Teil des länderübergreifenden Projekts „Drohnen-Einsatz für den Fischartenschutz und Kormoran-Management am Bodensee“. Das Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz
(MLR) ist dabei federführend. Hintergrund des Interreg-Projekts ist unter anderem der seit Jahren schwelende Streit um die Kormorane am Bodensee. Die Fischer machen den Vogel für ihre schwindenden Fangerträge aus dem See verantwortlich und fordern den Abschuss des geschützten Vogels. Naturschützer sind dagegen. Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass nicht allein der Kormoran für den Rückgang der Bestände einiger Fischarten verantwortlich ist. Es handelt sich nach Auskunft des MLR um Äsche, Nase, Strömer, Bitterling, Groppe μnd Bachneunauge.

Die Gründe für die Gefährdung dieser Fischarten seien vielfältig, so das Ministerium. ,,Sie leiden unter Auswirkungen des Klimawandels und der Veränderung vieler Gewässer durch menschliche Aktivitäten. Daneben wirken sich invasive und gebietsfremde Arten negativ auf die schwindenden Bestände aus. On top kommen die negativen Auswirkungen der steigenden Zahlen an Fischfressern wie dem Kormoran“, so das MLR.

Das Projekt soll als Schwerpunkt den Fischartenschutz haben. Das MLR betont auf Anfrage, „dass es beim Interreg-Projekt ,Fischartenschutz und Kormoranmanagement am Bodensee‘ in erster Linie um die Verbesserung des Fischartenschutzes in der Bodenseeregion geht“. Der Fokus liege nicht auf dem Kormoran-Management. Das sei nur „ein Bestandteil des Gesamtprojekts, aber nicht der Hauptfokus“. Das Umweltministerium erklärt, dass die Reduzierung des Projekts auf den Einfluss des Kormorans auf die Fischbestände diesem nicht gerecht werde. Bei dem Projekt kommt eine Drohne zum Einsatz. Nach Auskunft des MLR handelt es.sich um eine „modifizierte Agrar-Drohne“ mit einem Auslegearm. Mit dem Gerät sollen die Eier der Kormorane in den Baumnestern präzise mit Öl eingesprüht werden. ,,Durch die Benetzung der Eier mit Öl entwickeln sich diese nicht weiter, sodass der Bruterfolg sinkt“, heißt es aus dem Ministerium. Die Reduktion des Bruterfolges der Kormorane werde für den Schutz der gefährdeten Fischarten als „erfolgversprechendste Methode angesehen“. Die Bäume, auf denen die Kormorane brüten, seien weder von Land noch von der Wasserseite aus zu Fuß zugänglich. Um sie zu erreichen, müsse mit der Drohne gearbeitet werden. Ein Vorteil sei auch, dass dadurch die Kormoran-Kolonien, die am Bodenseeufer alle in Schutzgebieten liegen, nicht betreten werden müssen.

Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) begleitet das Projekt nach eigenen Angaben kritisch. Unter anderem werde darauf geachtet, dass bei Drohnen-Einsätzen andere schutzbedürftige Arten nicht geschädigt werden. Weiter erwartet der Nabu einen Nachweis dafür, ,,dass die Maßnahmen gegen den Kormoran tatsächlich zu einer Erhöhung der Fischbestände führen“. Die im vergangenen Jahr deutlich rückläufigen Kormoranzahlen seien ein Indiz dafür, dass der Selbstregulations-Mechanismus funktioniert und die zurückgehenden Fischbestände auch zu einem Rückgang der Kormoranzahlen führen. 2023 hatte der Kormotanbestand am Bodensee mit 1600 Brutpaaren seinen Höchststand erreicht. 2024 sank der Brutbestand auf rund 1450 Brutpaare, und 2025 wurden 1150 Brutpaare gezählt, informiert der Nabu. Ein erfreulicher Nebeneffekt des Projekts ist, dass sich durch die intensiven Gespräche im Vorfeld des Projekts die oft hitzigen Diskussionen zwischeμ Fischern und Naturschützern aus Sicht des Umweltministeriums versachlicht haben. Das sieht auch der Nabu so.

Von Petra Walheim
Foto Georg Moritz/dpa